Weil Umbaukits für normale Fahrräder optimiert sind, ist auf Grund der anderen Geometrien beim Umbau eines Liegerades etwas mehr Arbeit notwendig. Aber was tut man nicht alles für mehr Spaß ...
Das Hinterrad mit Motor
Der Umbausatz war in weniger als 2 Tagen da. Die Teile machten einen guten Eindruck. Dank des vorbereiteten Kabelsatzes kann man die Funktion bereits vor dem Einbau ausprobieren. Doch dann die Ernüchterung: wie kann ich mein Kettenritzel montieren? Passt nicht!
Als Bremsscheibe sollte eine 160 mm Shimano Bremsscheibe zur Verwendung kommen. Die Original Shimano Schrauben und Sicherungsbleche waren aber nicht brauchbar weil die Schrauben zu lang sind und zu tief in den Motor eindringen würden! Es müssen unbedingt die am Motor befindlichen Schrauben (mit einem Tropfen Locktide) verwendet werden. Die Felge war verdächtig schmal für meinen Schwalbe Big Apple Reifen. Aber aus Gründen des Komforts und Pannenschutzes ist er die erste Wahl.
Nach 2 weiteren Tagen erhielt ich das Schraubritzel per Post. Das Feingewinde auf dem Motor leicht einfetten und das Ritzel aufschrauben. Spezialwerkzeug ist dazu nicht notwendig, weil sich das Ritzel während der Fahrt selber immer fester anzieht. Nach dem ersten Einbau des neuen Hinterrads muss die Kettenschaltung neu justiert werden. Dabei stellte sich heraus, dass die Kette am Rahmen schleift wenn sie auf dem kleinsten der 9 Ritzel laufen soll. Also das Rad wieder ausbauen und ein paar Abstandsscheiben dazwischen legen. Jetzt wollte das Rad nicht mehr in den Rahmen passen. Ich musste den Rahmen weiter aufbiegen.
Controller und Panel
Mit Rücksicht auf die Länge des fertigen Verbindungskabels zwischen Motor und Controller ergab sich der optimale Montageort unter dem Sitz. Mit 2 großen Kabelbindern war der Controller schnell seitlich am Rahmen befestigt. Die Abschlussbox für die Sensoren kam hinter die Vorderachse und das LED-Panel an die linke "Lenkstange" des Trike.
Tretsensor
Das Kabel zwischen Tretsensor und Controller war für mein Liegerad etwa 1/2 m zu kurz. Die Montage der Magnetscheibe an einer Kettenführungsrolle hielt ich für nicht optimal. Es wären erhebliche mechanische Anpassungen notwendig und ich hatte Zweifel, ob die Motorsteuerung noch ganz optimal arbeitet weil die Drehzahl der Führungsrollen deutlich höher ist wie die der Tretkurbel. Das Verlängern des Kabels war deshalb das kleinere Übel für mich. Laut Einbauanleitung soll der Tretsensor mit dem Innenlager befestigt werden. Obwohl ich das passende Werkzeug und einige Erfahrung mit dem Ein-/Ausbau von Innenlagern hatte, war es nicht möglich das Lager auszubauen.
Druckschalter für die hydraulische Bremsanlage
Die dem Umbausatz beiliegenden mechanischen Bremsgriffe mit Sensoren waren nicht verwendbar, weil ich mein Trike auf eine hydraulische Shimano Bremsen umgerüstet hatte. Man kann darüber diskutieren, ob die Bremsschalter notwendig sind oder nicht.
Anfahrhilfe
Man könnte denken, dass bei einem Trike die Anfahrhilfe überflüssig ist. Keinesfalls! Die Montage des Schalters ist m.E. unbedingt zu empfehlen. Auf Grund der Motorunterstützung fährt man noch häufiger in großen Gängen und vor dem Anhalten versäumt man es meistens auf kleinere Gänge zurück zu schalten. Ohne Anfahrhilfe muss man sich erst etwa eine halbe Kurbelumdrehung vorwärts quälen, bevor der Motorschub einsetzt. So drückt man kurz den Anfahrhilfeschalter und beschleunigt auch in großen Gängen recht zügig. Das schwierigste beim Einbau in das Trike war die Suche nach einem geeigneten Platz.
Montage des Akku
Ich hatte den Gepäckträger-Akku wegen seiner flacheren Bauform gewählt. Die Montage auf dem vorhandenen Gepäckträger kam aber nicht in Frage, weil dann die Gepäcktaschen nicht mehr einhängbar gewesen wären.
Die erste Probefahrt und Erfahrungen
Endlich war der Umbau fertig. Es war schon 21 Uhr, bei Temperaturen knapp über Null.
Am nächsten Morgen eine Testfahrt auf dem täglichen Weg ins Büro, bei der ich die Tour mit GPS aufgezeichnet habe (siehe Bild). Es geht dabei nach ein paar Kilometern auf einer 5 bis 10% steilen Straße etwa 100 m aufwärts. Ohne Motor sind hier die kleinsten Gänge notwendig und viel mehr wie Schrittgeschwindigkeit ist kaum möglich. Doch jetzt muss ich nicht einmal auf den kleinen Zahnkranz zurück schalten. Die GPS Aufzeichnung zeigt nachher, dass die Geschwindigkeit nur bis etwa 15 km/h zurück geht. Danach geht es über einen Forstweg. Der Motor schiebt in der Stufe "H" so stark voran, dass ich vorsichtshalber auf "M" schalte, um den Schlaglöchern besser ausweichen zu können. Danach geht es auf einer Landstraße weiter. Mit leicht sportlicher Tretunterstützung geht es in der Stufe "H" laut GPS mit etwa 27 – 29 km/h dahin. Für die über 30 km lange Strecke habe ich eine halbe Stunde weniger Zeit benötigt. Also eine tägliche Zeitersparnis von einer Stunde!
Fazit: Noch mehr Spaß auf drei Rädern. Es ist kein Fall von Unsportlichkeit, die Motorunterstützung verhilft zum schnelleren Vorwärtskommen und die höheren Geschwindigkeiten erfordern nun einmal auch mehr körperliche Leistung, so dass es für mich eine reine "Zeitmaschine" ist. Der Zeitaufwand für den Umbau macht sich sehr schnell bezahlt.
