claubo hat geschrieben:Aber man hat als Student ja kaum eine Wahl. Wenn die Prüfungs- oder Studienordnung oder der Dozent eine Umfrage vorgibt, dann kannst du den Kurs schmeißen oder die Umfrage machen.
Ja, wir werden ständig zu irgendetwas gedrängt/genötigt/gezwungen. Und das Internetzeitalter hat hier mehr Schaden als Nutzen angerichtet. Für junge Menschen, die in die Berufswelt hineinwachsen, ist es ein echtes Dilemma, wogegen die Alten das Problem haben, dass die Rentenaltersgrenze möglichst hoch gesetzt werden soll, während unsere weitgehend automatisierten Arbeitsprozesse aber die meisten Arbeitnehmer nicht mehr benötigen, wenn sie in die Nähe der "50" kommen. Auch bei den Alten heißt es: "Friß oder stirb! Sieh' zu, wie Du Dich ohne adäquat bezahlten (Vollzeit-)Job über Wasser hältst - nicht nur bis zur Rente, sondern auch darüber hinaus!"
Wir reden immer gern von "Freiheit", aber wir leben in einer Welt, in der wir von der Geburt bis zum Tod unzähligen Zwängen ausgesetzt sind, denen wir nicht entrinnen können - solange wir uns nicht gegen die Gesellschaft stellen. Aber dann werden wir uns anderen Zwängen ausgesetzt sehen ...
Es ist mehr als verständlich, dass Studenten ihre ihnen gestellten Aufgaben erfüllen wollen. Und für Umfragen bietet sich das Internet einfach an. Trotzdem: Gerade hier wird so viel gefakt, dass niemand sagen kann, wie valide die Ergebnisse einer Internetumfrage überhaupt sind.
Es ist genau so verständlich, dass sehr viele Menschen mittlerweile begriffen haben, dass es für sie selbst nicht gut ist,
besonders im Internet ihre persönliche Einstellung/Meinung bereitwillig preiszugeben und dass sie sich weigern, hier mitzuspielen. Jeder Einblick, den ich heute anderen in mich gebe, wird mehr oder weniger direkt dazu führen, dass irgendwann ich und/oder spätere Generationen darunter leiden, dass es dann "Normwerte" und "zulässige Maximalabweichungen" (von was auch immer) gibt. Wenn ich zufällig außerhalb dieser Abweichung liege, dann habe ich eben Pech gehabt, bekomme den Job nicht, die Wohnung oder den Kredit. Ich werde von Onlinehändlern nicht mehr beliefert. Keine Krankenkasse ist bereit, mich zu versichern. Und möglicherweise werde ich irgendwann vorbeugend verhaftet, weil die Data Mining Software des Staatssicherheitsdienstleisters meine persönliche Kombination von Merkmalen/Prädiktoren als im höchsten Maß signifikant dafür erkannt hat, dass ich in etwa 2 bis 3 Jahren staatsfeindliche Aktivitäten entwickeln werde.
Wer diese Zusammenhänge erst einmal begriffen hat, wird aus purem Selbstschutz entweder gar nicht an Umfragen teilnehmen - oder aber (was wirksamer ist), er wird sie so beantworten (wenn er sie durchschaut), dass schließlich Ergebnisse dabei herauskommen, bei denen auch der "Staatsfeind Nr. 1" noch ganz locker im Normalbereich liegt.
Da stehen einfach zwei Interessen diametral einander gegenüber. Wobei ich davon ausgehe, dass das persönliche Interesse, nichts von sich preiszugeben, ein existenzielles ist, hinter dem die Interessen von Politik, Militär, Wirtschaft und Finanzsektor weit abgeschlagen zurückstehen müssen.
Vor ungefähr 15 bis 20 Jahren war das Schlagwort "Wissensmanagement" in Unternehmen in Mode. Es wurde versucht, den eigenen Angestellten ihr "Know how" zu entlocken und in Datenbanken zu speichern, um in Zukunft auf den Faktor Mensch weitgehend verzichten zu können, weil sich dieses "gespeicherte Wissen" ganz leicht auch anderen (Billigkräften) zur Verfügung stellen ließe.
Dieses "Einsammeln von Know how" ist damals am Widerstand der Betroffenen gescheitert. Die haben schnell gemerkt, wohin der Hase läuft.
Mittlerweile aber ist das gar nicht mehr nötig, weil die Summe der Informationen, die wir alle über uns (meist sogar) völlig freiwillig und unbedarft im Internet selbst publizieren, bereits heute von den großen "Datensammlern" in aller Welt zu sehr genauen Persönlichkeitsprofilen zusammengesetzt wird. Vollautomatisch natürlich. Aber die Betroffenen merken erst dann etwas davon, wenn es für sie zu spät ist.
Dagegen hilft am besten, gezielte Falschinformationen über sich zu verbreiten. Eine Nicht-Teilnahme am Internet könnte dagegen schon wieder als gravierendes Verdachtsmoment gewertet werden.
In solchen Beiträgen wie diesen gebe ich selbst eine ganze Menge von mir preis. Aber ich finde, angesichts meiner Rest-Lebenserwartung wird es mir mit hoher Wahrscheinlichkeit keine allzu großen Probleme mehr bereiten - außer dass vielleicht kein Alters- bzw. Pflege-Heim und auch kein Hospiz bereit ist, mich aufzunehmen, weil die Gefahr besteht, dass ich ein Aufklärer, Aufwiegler oder Aufrührer sein könnte. Dann muss ich halt damit leben - äh, pardon: sterben!