Schon lustig, wie dieser Fragebogen versucht, die Bereitschaft zu rücksichtslosem, illegalem und/oder lebensgefährlichem Verhalten von E-Bikern im Straßenverkehr zu eruieren!
Immerhin ist sein Design "sehr sparsam". Das statistische Auswertungsprogramm "
SPSS" wird schließlich eine
multivariate Faktorenanalyse nur über ganz wenige Faktoren auswerfen:
- Bereitschaft, Gesetze / gesetzliche Vorschriften zu brechen (insbesondere Rotlicht-Verstöße)
- Ungeduld
- Rücksichtslosigkeit
- Suche nach Adrenalinausschüttung
- Verhältnis von Ich zu Anderen
Alle anderen persönlichkeitsprägenden Faktoren, wie zum Beispiel
- Sexuelle Deviationen
- Politische Gesinnung
- Zugehörigkeit zu (fundamentalistischen) Glaubensgemeinschaften
- Bereitschaft zur Kriminalität im allgemeinen
- Gewaltbereitschaft bei der Durchsetzung eigener Interessen
- Drogenkonsum
- Leistungsbereitschaft/Lustorientierung
- Lieblingsspeisen und -Getränke
- Bevorzugte Urlaubsziele
- u. v. a.
werden gar nicht berücksichtigt.
Dieser Fragebogen ist eher "mit der heißen Nadel gestrickt". Sowas kriegt sogar die NSA (und ihre konspirativ-befreundeten Dienste in anderen Ländern) hin.
Aber was mich an Deutschlands akademischer Elite der Zukunft zweifeln lässt, ist das fehlerhafte Deutsch, das offenbar nicht einmal dem (oder den) promovierten bzw. habilitierten Verantwortlichen dieser Studie aufgefallen ist:
Da heißt es zum Beispiel gleich auf zwei Fragebogenseiten:
Sie fahren als Radfahrer auf der Straße und erreichen eine vierarmige Kreuzung. Die Ampel hat gerade auf Rot umgeschalten. Bitte bewerten Sie Ihre Wahrscheinlichkeit über Rot zu fahren, wenn Sie sich in folgenden Situationen befinden...
Sind die basalen Deutschkenntnisse jetzt auch bei Akademikern auf der (Fahrrad-)Strecke geblieben?
Wir konjugieren:
Ich habe umgeschalt
et
Du hast umgeschalt
et
Er/Sie/Es hat umgeschalt
et
Wir haben umgeschalt
et
Ihr habt umgeschalt
et
Sie haben umgeschalt
et
Die Variante "umgeschalt
en" kommt dagegen in KEINEM Fall bzw. in keiner Zeit und keiner Person vor!
"Umgeschalt
en" gibt es in der deutschen Sprache nicht. Aber seltsamerweise findet man die Verballhornung eines Verbs, das richtigerweise auf
et endet, durch die Verwendung von
en in den letzten Jahren immer häufiger - sogar in großen Nachrichtenportalen. Mit einem gewissen Entsetzen nehme ich zur Kenntnis, dass sogar ausgebildete Journalisten (oder sitzen da auch nur noch Schülerpraktikanten aus der PISA-Studie?) der deutschen Sprache nicht mehr mächtig sind. Sind eigentlich alle Lektoren auf die Straße gesetzt worden?
Da können wir ja fast froh sein, dass "Deutsch" nach und nach immer mehr durch "Englisch" bzw. "Denglisch" ersetzt wird: Da merken es die meisten gar nicht. Und beim Denglisch ist sowieso alles erlaubt.
Gerade stelle ich mir vor, dass der mir bei der MPU gegenübersitzende Psychologe ebenfalls der deutschen Sprache nicht mächtig ist. Oh Mann! Dann wird mir der Führerschein auf Lebenszeit entzogen, bloß weil ich so ein "sprachlicher Prinzipienreiter" bin.
Aber das Allerwichtigste: Bei "Geschlecht" stehen mir nur "
weiblich", "
männlich" und "
keine Angabe" zur Verfügung!
Heißt das, wenn ich ein "
Transgender" bin, MUSS ich die Angabe verweigern? Muss ich mich meiner Allgeschlechtlichkeit etwa schämen? Das ist Diskrimination! Ich bin empört!
Gute Nacht, Deutschland!
Ego Me Absolvo
P.S.: Um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, müssten auch die "nicht-elektrischen" Radfahrer (Kontrollgruppe) diesen Fragebogen ausfüllen. Wie wird diese Population vom Fragebogen erreicht?
Ohne Kontrollgruppe ist das Ergebnis nur eine Bestätigung (oder Nicht-Bestätigung) der Arbeitshypothese des Fragebogen-Designers, die da lauten könnte:
"Ebiker sind eher spaßorientiert, ungeduldig, rücksichtslos, scheren sich nicht um Gesetze/StVO und gefährden ihr eigenes Leben, sowie das der anderen Verkehrsteilnehmer. Das soziale Miteinander ist ihnen sowieso egal ... Sicherheitshalber sollten Sie gleich weggesperrt werden - besonders wenn sie der Altersgruppe X bis Y und dem Geschlecht "..." angehören!"
Da aber Männer bekanntermaßen (zumindest nach außen hin) durchschnittlich sichtbar aggressiver in Erscheinung treten (während Frauen traditionsgemäß ihre Aggressivität eher auf unsichtbarer psychisch-unbewusster Ebene ausagieren und ihre Gegenspieler in den Wahnsinn zu treiben versuchen), nehme ich an, dass die "Arbeitshypothese" ausgeht von: Allem was männlich und unter 30 ist, sollte sicherheitshalber jeder Umgang mit (Elektro-) Motoren im Verkehr verboten werden ... Am besten nicht nur im
Straßen-Verkehr!
